Interview mit OM C. Parkin zum Enneatyp von
Jürgen Klinsmann und Barack Obama

Am 29.4.09 geführt von Luna U. Müller und Steffen Wöhner

L: OM, du sagtest einmal, dass im Grunde eine zuverlässige Bestimmung eines Enneatyps ohne eine ausführliches Gespräch mit demjenigen gar nicht möglich ist. Es ist ja wichtig, das an den Anfang zu stellen.

OM: Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Einschätzung sogenannter prominenter Persönlichkeiten, denen ich nie persönlich begegnet bin, unter Vorbehalt ist. Die Integrität der Arbeit mit dem Enneagramm beruht auf der Aussage, dass mit einem Menschen eine persönliche Begegnung inklusive der Anamnese statt finden muss und vorher ist jede Aussage unter Vorbehalt – selbst am Ende der ersten Sitzung.


Frage: Wir haben für dieses Interview Jürgen Klinsmann gewählt, weil er uns als Persönlichkeit interessiert, auch im Hinblick auf den aktuellen Rauswurf bei Bayern München. Die Frage ist, welche Fixierung du in ihm siehst und auch, was sein Karriereverlauf möglicherweise mit dieser Fixierung zu tun hat - also seine unglaubliche Erfolgsgeschichte im Rahmen der WM einerseits und jetzt sein Scheitern und der Rauswurf bei Bayern München . Das ist ja interessant, vielleicht auch im Zusammenhang mit der Fixierung.

OM: Ja, Jürgen Klinsmann hat eine Neuner-Fixierung. Die Neun ist ja eine verhinderte Dreier-Struktur (eine Aussage, die im Grunde viel differenzierter betrachtet werden müsste). Das heißt, die Neun steht direkt mit der Drei in Verbindung, die ein Teil des Trias (Drei – Sechs – Neun, Anmerkung Interviewer) ist, aus dem sich das Neuner-Ego zusammensetzt. Und das heißt, dass im Fall Jürgen Klinsmann die Beziehung der Neun zum Erfolg näher betrachtet werden müsste.

Die Neun ist insofern hochgradig erfolgreich, als sie in der Lage ist, sich vermeintlich altruistisch anzupassen und mit einem überpersönlichen System zu verschmelzen. Beispielsweise haben die meisten großen Entertainer Neuner-Strukturen, die in der Lage sind, so mit den Bedürfnissen und Wünschen des Publikums zu verschmelzen, dass sie dann dementsprechend Erfolg haben. Dass jemand wie der Komiker Mario Barth ein Stadion mit 70.000 füllt, das kann man sich nur bei einer Neun vorstellen, eventuell noch bei einer Drei. Da muss schon eine Chamäleon-Struktur vorliegen, die in der Lage ist, mit der inneren Welt der Masse zu verschmelzen. Sonst kannst du so viele Menschen nicht erreichen. Stell dir einen Weisheitslehrer vor. Der könnte kein Stadion von 70.000 Menschen füllen. Er würde eines mit 7 Menschen füllen. (Gelächter)

Frage: Jürgen Klinsmann hat am Anfang in Bayern als Erneuerer gegolten. Es wurde gesagt, er würde Bayern München ins neue Jahrtausend führen u.ä.


OM: Jürgen Klinsmann ist aus Amerika eigentlich als Drei hier angekommen, denn Amerika repräsentiert die Dreier - Kultur. Die Drei ist nicht gerade revolutionär, aber sie ist ein Tatenmensch, sie ist extrem kreativ. Ich glaube gar nicht so sehr, dass er sich selbst überschätzt hat. Er hat das System Bayern München unterschätzt. Das System Bayern München ist auch eine Linie Drei-Neun. Du kannst davon ausgehen, dass die Führungskräfte bei Bayern München fast alle eine Neuner-Struktur haben, aber das System an sich hat eine Dreier – Struktur, das dem Erfolg hinterherhetzt. In diesem System gibt es eigentlich keine Zeit für Umwälzungen, die wirklich von Grund auf geschehen. Da gibt es eigentlich nur die Zeit für eine ganz pragmatische und symptomatische Ausrichtung an diesem Erfolgssystem.
Aber die Neun funktioniert normalerweise nur so lange richtig gut, wie sie mit einem System energetisch korreliert, solange sie in das System eingebunden ist. Wenn sie die Unterstützung verliert und alleine dasteht, verliert sie tendenziell an Kraft. Sie schöpft die Kraft aus der Masse, an die sie sich angepasst hat. Allerdings gibt es auch einen rebellischen und unangepassten Aspekt, der tiefer liegt als die oberflächliche Angepasstheit in der Persona der Neun.
Jürgen Klinsmann ist an Bayern München und sich selbst gescheitert. In ihm wirkt – und das ist ein Teil der Neuner-Welt – eine verharmlosende Sicht auf die Schattenwelt. Er hat die Schattenwelt des Universums Bayern München unterschätzt und ist daran gescheitert.

Frage: Was mich noch interessiert, ist, wie siehst du bei jemandem, der wie Klinsmann so viele Dreier-Aspekte hat, die Neun? Was sind für dich Merkmale der Unterscheidung?

OM: Ich sehe diese Merkmale bereits im Gesicht. Aber das muss man lernen zu sehen. Du lernst mit der Zeit in der Verfeinerung der Wahrnehmung, Fixierungen auch im Gesicht, an der Ausstrahlung und der energetischen Verteilung im Organismus wahrzunehmen. Ob z.B. ein Organismus eher abstrebende oder aufstrebende Energie besitzt, ob die Bewegungsrichtungen von Hin, Weg und Gegen sichtbar werden. Das alles sind Merkmale, die sich zu einem energetischen Gesamtbild zusammensetzen.

Frage: Haben Zornfixierungen eher abstrebende Energien?

OM: Ja, Zornfixierungen haben tendenziell eher ein abstrebendes Feld, weil sich die Kraft ja im Bauchzentrum sammelt und nicht im Kopf. Das heißt, die unteren drei Chakren erfüllen eine andere Funktion im Gesamtsystem. Wenn das Bauchzentrum das Eintrittstor für kosmische Energie ist, erfüllt es im Gesamtsystem eine andere Funktion und ist energetisch anders wahrnehmbar.
In der Funktion als Bundestrainer stand Klinsmann die Drei sicher stark zur Verfügung, weil der Overlayer durch seine Amerika-Identität ihm Nahrung für die Drei in sich gab. Und so konnte er den großen Dreier-Motivator nicht nur spielen, sondern auch verkörpern.

Frage: Ich möchte dazu sagen, dass der erste Satz, den er nach der Kündigung gesagt hat, war: „Er sei enttäuscht, aber nicht gescheitert.“ Da sieht man diesen Overlayer der Drei ja auch sehr stark.

OM: Das ist ein klassischer Satz des Dreier- Egos.

Frage: Wenn wir jetzt zu Barack Obama übergehen, wirkt da ja wahrscheinlich ein ähnliches Phänomen des Dreier – Overlayers. Vielleicht kannst du anhand von ihm noch einmal auf diese Unterscheidung von Drei und Neun eingehen. Gibt es da noch ein Merkmal, das zur Differenzierung dient? Denn auch Obama tritt ja mit einer typischen Dreier – Botschaft „Yes, we can“ in die Welt.

OM: Eben, ich bin überzeugt, dass Obama in der Szene von Enneagramm – Lehrern bei einigen als Drei gehandelt wird. Ich selbst möchte das nicht bestätigen. Ich glaube, es findet da eine Verwechslung statt von der Rolle und der Person, in der er sich aufhält, mit der eigentlichen Fixierungsebene, der Neun. Diese Verwechslung wird zudem im amerikanischen Kollektiv gefördert, da das ganze Kollektiv in einer Dreier – Fixierung lebt. Dazu kommt, dass die Neun die Fähigkeit besitzt, mit dem Kollektiv eins zu werden und zu verschmelzen, sich aufzugeben für die gemeinschaftliche Energie, die aus der Drei entstammt.
Erste Aussage: Neun verschwindet in Drei (im Dreier Kollektiv).
Zweite Aussage: Neun wird von Drei überlagert.
Dritte Aussage: Die Neun wird aus einer Dreier-Vergangenheit gespeist, also das verhinderte Dreier-Kind.
Das sind drei Aussagen darüber, warum Obama möglicherweise mit einer Dreier – Struktur verwechselt wird.

Was bei Obama als Merkmal der Differenzierung hinzukommt, ist seine Authentizität. Um diese Authentizität bei einer Drei zu finden, müsste die Drei schon sehr weit entwickelt sein. Normalerweise nimmst du in der Drei das Gegenteil wahr. Authentizität ist ein Aspekt des heiligen Weges in der Drei. Aber an sich fällt die Drei durch Nicht-Authentizität auf – und bei Politikern musst du davon ausgehen, dass es sich nicht um hochgradig entwickelte Menschen handelt. Bei der Drei siehst du deutlicher, dass sie eine Rolle spielt. Die Drei sieht es zwar selbst nicht, weil sie mit ihrer Rolle verschmolzen ist. Aber wir haben diese Wahrnehmung von etwas leicht Überkandideltem, etwas Aufgesetztem. Es gibt amerikanische Motivationstrainer, die mit Massen arbeiten und ganze Stadien füllen. Gerade auch aus einer europäischen Sicht, die zu diesem Dreier–Feld mehr Abstand hat, kommt darin der dunkle Aspekt viel mehr zum Tragen. Die Neun muss Authentizität nicht lernen. Auf eine Art ist sie ihrem natürlichen Wesen am nächsten von allen Strukturen.

Frage: OM, vielen Dank für dieses Interview.